Der „schwarze“ Block

In Deutschland entstand der Block in den 80ern zum Selbstschutz. In anderen Ländern hat er andere Funktionen und Traditionen. Vor Bullenübergriffen und Überwachungsmaßnahmen geschützt konnten die Menschen sich in einer anonymen Masse bewegen. Die schwarze Farbe sollte das anonyme agieren ermöglichen, aber auch eine Antihaltung der existierenden Gesellschaft gegenüber darstellen. In den Anfängen wurde der Selbstschutz durch Seile um den Block herum, Helme, Leitern oder Seile in den Transparenten und Vermummung gewährleistet. Es zeigte sich, dass den Repressionsorganen dadurch weniger Interventionsmöglichkeiten gegeben waren. Heute ist das mitführen von Seilen, Helmen, Vermummung u.a. verboten (passive Bewaffnung). Im Gegensatz zu damals ist das Block bilden heute zu einem Lifestyle geworden. Der Schutz wird oft nicht mehr durch den Block garantiert, die Bullen können ohne behindert zu werden reingehen und Leute rausziehen, filmen und reinprügeln. Da die Schrauben der Repression angezogen wurden und das Auftreten der Bullen immer stärker und gepanzerter wird verbreitet sich natürlich auch die Angst (siehe Panik).

Männliches Dominanzverhalten?

Immer wieder ist auf Demos zu beobachten, das – zumeist männliche Personen auch gegenüber DemoteilnehmerInnen und Außenstehenden aggressiv und dominant auftreten sowie allgemein einen „auf dicke Hose“ machen. Dies äußert sich unter anderem in Parolen wie den Erwähnten und dem Angehen von DemoteilnehmerInnen, insbesondere nach Ansprache auf das Macho- Verhalten. Es sollte klar sein, dass Sexismus und männliches Dominanzverhalten beim Kampf um eine befreite Gesellschaft auf einer antifaschistischen bzw. linksradikalen Demo nichts verloren haben.
Klar ist auch, dass ein solches Problem nicht auf der Demo selbst gelöst werden kann, sondern dass es gilt, ein kritisches Bewusstsein für Geschlechterverhältnisse zu schaffen. Trotzdem sollte auch ein Umgang für solches Verhalten auf Demos gefunden werden, als erster Schritt ist ein konkretes Ansprechen, ruhig auch durch mehere zu denken. Weitergehende Konsequenzen sollten allerdings mit weiteren Personen oder der „Demoleitung“ besprochen werden.

Parolen?

„Nazis raus“, „ein Baum, ein Strick, ein Nazigenick“, „Bauern kniet nieder, die Antifa ist da“, dies sind Beispiele für Parolen, die nicht nur sinnlos, sondern auch in Teilen reaktionär und unemanzipatorisch sind, auf unseren Demos aber trotzdem oft vorkommen. Die zweite Parole stammt sogar aus dem Nationalsozialismus und war damals auf jüdische Menschen bezogen. Von der SA etabliert war sie ständiger Begleiter bei ihrem antisemitischen Terror. Auch sexistische Parolen bleiben unseren Demos nicht fern, es ließ sich unter anderem die Parole „Deutschland du Hurensohn, deine Mutter hatten wir schon“ vernehmen, so z.B. in Köln. Wenn Menschen kein Problem haben mit sexistischen Parolen und Meinungen, teilen wir nicht ihre Ansichten, obwohl sie sich vielleicht als AntifaschistenInnen bezeichnen.

Zudem sind viele Parolen in bestimmten Situationen unpassend, in einem anderen Kontext aber durchaus sinnvoll, wie z.B. die parole „Kameramann Arschloch“. Pressevertreter zum Teil auch aus der Szene stammende derart anzupöbeln, ist mehr als überflüssig, bei Bullenkameraleuten aber durchaus angebracht. Auch auf Demos die nicht konfrontativen Protest vorraussetzen sind Parolen die auf direkte Konfrontation bzw. körperliche Ausseinandersetzungen mit z.B. Bullen oder Nazis abzielen fehl am Platz.

Private Demovideos?

So toll es auch sein mag private Demovideos vom Handy bei „youtube“ reinzustellen, so blöde Konsequenzen kann dies haben. Wenn Bullen dieses Material sichten, hilft es ihnen bei der Indentifikation von Personen.
Auch schon während der Demo können Fotoapparate und Handys einkassiert werden. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein die Demo zu dokumentieren, wenn du z.B. einen Bericht schreiben willst, dann ist es jedoch meist sinnvoll dies von außerhalb der Demo zu tun. (Aber hier nicht vergessen die Gesichter unkenntlich zu machen!). Es kann auch sinnvoll sein, Übergriffe von Bullen aufzuzeichnen, dabei muss mensch sich aber bewusst sein, dass die Bullen dieses Material auch verwenden könnten und es auch Angriffe auf die filmende Person geben kann.
Bei Handys an sich gilt es noch zu bedenken, dass die Bullen, wenn sie es in die Hände kriegen, wichtige Daten abgreifen können.
Außerdem besteht die Möglichkeit, dich abzuhören und nachzuvollziehen, wo du bist.

Also besser Handy aus und Karte raus oder zu Hause lassen.
Desweiteren solltest du mit den Menschen mit denen du unterwegs bist, Treffpunkte absprechen, falls ihr euch verliert.

Werfen?

Du stehst mitten in der Demo und die Bullen schubsen vorne schon wieder die GenossenInnen. Ohne lange zu überlegen, schnappst du dir einen Stein und schleuderst ihn direkt in die vorderen Reihen.
Peinlich für dich – gefährlich für die Anderen!
Wenn du Etwas werfen willst, solltest du dir sicher sein, das es die „Richtigen“ bzw. nicht die eigenen Leute trifft.
In welcher Situation überhaupt geworfen werden sollte, ist eine andere Frage die hier nicht diskutiert werden soll.

Panik?

Immer wieder erleben wir das Menschen auf Demos von Panik ergriffen werden und losrennen wenn die Sitaution bedrohlich wirkt und damit auch andere in Panik versetzen. Auch in entspannten Momenten kommt es, so durch Rufe oder Schreie zum Verhalten der Bullen oder ähnlichem, zu panikhaften Kettenreaktionen. Das Ergebniss Verängstigung, Unsicherheit, oder sogar Verletzte. Außerdem werden den Bullen gute Ziele für Ingewahrsamnahmen geboten. Zu guterletzt geht auch jeglicher politischer Ausdruck verloren und es bleibt ein ungutes Gefühl im Bauch nach der Demo. Außerdem können die Situationen so schlechter „objektiv“ eingeschätzt werden. Wenn die Taktik der Bullen so aussieht, dass die Demo zurückgedrängt wird, sollte es ein koordiniertes Zurückgehen geben, ruhig und in Ketten. Oder ein entschlossenes Draufzugehen in Ketten. Hierbei sollte darauf geachtet werden seine Leute nicht zu verlieren und ein Auge auf Hilfesuchende, Verletzte und „Langsame“ zu haben.
Die Frage ist hier in welchen Fällen laufen oder zurückgehen sinnvoll ist und in welcher Relation es zu den „auftauchenden“ Bullen steht. Wenn mensch die Situation so beurteilt, das wegrennen nicht sinnvoll ist , dann kann versucht werden, ein Ruhepol zu schaffen, indem mensch mit seinen Leuten stehen bleibt und deutlich ruft: „Keine Panik! Ketten bilden!“

Vor der Demo laufen?

Ein relativ neues Phänomen ist es, dass viele Menschen vermehrt neben, aber vor allem vor der Demo laufen. Zum einen wird die Sicht auf Transparente verdeckt, so dass die Botschaft der Demo verloren geht. Zum anderen werden den Bullen Gründe geliefert, die Demo anzuhalten oder anzugreifen. Der Schutz durch den Block fällt weg oder wird verringert. Es stellt sich die Frage, warum Menschen vor der Demo laufen.

-Vielleicht aus Angst etwas zu verpassen?

Zwar vertändlich, aber unserer Meinung nach sollte es bei einer Demo nicht vorrangig um die persönliche Bedürfnisbefriedigung gehen.

-Oder zur Selbstprofiliereung und zum „Rumcheckern“?

Auch das finden wir grundsätzlich falsch. Die Menschen sollten durch Lautsprecherdurchsagen, persönlich oder auch mit Parolen aufgefordert werden, zurück in die Demo zu kommen. Außerdem könnte eine bessere Infostruktur organisiert werden, so dass Niemand etwas „verpasst“ (zum Beispiel Infos durch die Reihen nach hinten durch geben). In einigen Situationen wäre es auch möglich, dass sich die erste Demoreihe vor den „wilden Haufen“ bewegt.

Drogen?

Immer wieder fallen Menschen auf, die auf Demos Drogen (insbes. Alkohol) konsumieren oder unter starkem Einfluss von diesen stehen. Wir halten dies in vielen Fällen für eine Gefährdung der Person selbst und aller DemoteilnehmerInnen, da die eigene Wahrnehmung eingeschränkt und die Person unberechenbar ist. Außerdem trüben alkoholisierte Menschen das Erscheinungsbild der Demo, was u.a. dann problematisch ist, wenn eine positive Außenwirkung gewollt ist.

Unserer Meinung nach ist es wichtig, die berauschte Person über ihr Verhalten aufzuklären (soweit dies möglich ist). Das kann durch Demoorga (z.B. Lautsprecherdurchsagen, Delegierte) oder dich passieren. Je nach Demoart (dazu später mehr) und Berauschungszustand kann es zu ihrer eigenen und zur Sicherheit aller sinnvoll sein, die Menschen wegzuschicken (aber auf sicherem Weg und nicht ins Bullenspalier!)